DIE SCHÖNHEIT WIRD UNS RETTEN

Das Made in Italy, die Herausforderungen des modernen Handwerkes und was wir tun können damit die Jungen es wieder lieben, und warum wir nach dieser Krise das Bedürfnis haben werden Schmuck zu kaufen: das erzählt uns Piero Marangon, CEO und Mitgründer von Nanis Italian Jewels.

Piero, was ist Made in Italy für dich und was macht es einzigartig?

Ich werde es vermeiden eine institutionale Definition abzugeben, sondern mich stattdessen auf einen Eindruck beziehen, der im Ausland verbreitet ist, bezüglich Werten die uns völlig normal erscheinen, die aber nicht normal sind. Ich werde versuchen nicht wie selbstverständlich zu klingen oder gar banal …. denn genau das ist es, das Made in Italy ist nie selbstverständlich und noch weniger banal.
Es ist tatsächlich ein Phänomen, dass studiert und analysiert gehört. Und ich vermute das wurde es, aber ich gebe euch meine Meinung, von innen heraus gesehen, also von jemandem der das Made in Italy jeden Tag lebt. So wie unsere DNA aus der Vererbung von Generation zu Generation geboren wird, so werden auch unser Einfühlungsvermögen, Geschmack, Fleiß, Zielstrebigkeit, Fantasie und Kreativität aus dem Lauf von vielen Jahrhunderten der Geschichte geboren. Das Schöne ist, dass es sich um einen natürlichen und spontanen Prozess handelt, der sich - leider - in uns festgesetzt hat ohne dass wir uns dagegen wehren konnten. Das Ganze entsteht aus der Geschichte eines Landes das die Wiege der Geschichte war, und des Handels und dann der Kunst, welche die Tochter des Reichtums ist. Ein Land, das in seiner Geschichte fähig war, Bauwerke zu errichten, die zu Symbolen der Menschheit wurden, und gleichzeitig dichte Siedlungen in der die Kunst aus Winkeln und Häusern und Kirchen ein Gewirr geschaffen hat, sogar auf einen Gipfel geklammert. Hinter solchen Mauern erblühten Geschäfte von Künstlern und Handwerk, welches die Väter den Kindern weitervermitteln wollten, damit sie eine Kunst erlernen. Geschäfte in denen die Gesellen mit ihren Meistern wetteiferten…. Und so könnte ich mit den Beispielen fortfahren, bis wir in unsere Zeit gelangen, eine Zeit in der das Reisen Ansteckung bedeutet, Kommunikation. Es war das Mittel das der Welt unsere schönen Dinge gezeigt hat, das in der Welt die “Lust“ auf Italien verbreitet hat, als Gesamtheit der spontan ausgedrückten Schönheiten. Das Made In Italy ist das Ergebnis der Übertragung von Generation zu Generation, der geschichtlichen Übertragung, und es ist auch ein Kind des Stolzes, der aus der Andersartigkeit zum Rest der Welt entsteht. Denkt nur an unsere 100 Produktionsdistrikte und die dazugehörigen 100 Dialekte, die sie heute noch unterscheiden. All dies wäre in einem anderen Land als Italien nicht möglich gewesen.

Wenn man sich die jungen Menschen anschaut, könnte man denken, dass das Handwerk “aus der Mode ist“. Warum finden die neuen Generationen diesen Beruf nicht besonders ansprechend?

Im Gegenteil, Handwerk ist absolut in. Leider ist es aber eher eine philosophische Mode als eine reale. Tatsächlich besteht die große kulturelle Barriere der die jungen Leute unterliegen im Abwerten der dreckigen Hände, der körperlichen Anstrengung, und Schuld daran ist unsere Generation, die ihnen immer andere Vorbilder aufgezeigt hat, nach denen sie sich richten sollten, wie den Notar oder Anwalt. Dadurch wurden in ihren Augen der Schreiner oder der Schneider herabgesetzt, der Installateur oder Maurer, der Bauarbeiter oder Schmied. Ich habe den Eindruck junge Menschen sind gleichzeitig in die Idee verliebt und von ihr terrorisiert, einen Tisch aus Zedern Massivholz, aus einem Stamm von 8 Metern gewonnen, herzustellen. Und doch steckt in diesen Berufen eine Geschichte, Kultur, Fähigkeit, Kreativität, Wissen, die man so zusammen nicht einmal in einem Architektur-Studienabschluss findet. Was wir ihnen durch eine überbehütende Erziehung vererbt haben, ist schlichtweg die Angst zu Leben. Und das ist unverzeihlich.

Was kann und sollte man tun, um das italienische Handwerk aufzuwerten und zu verteidigen, vor Allem in einem Moment wie diesem?

Durchleuchten wir nur die handwerklichen Firmen die sich als “künstlerisches Handwerk“ einstufen: um dieses wichtige italienische Asset aufzuwerten müssten wir meiner Meinung nach auf mehreren Ebenen arbeiten. Allem voran an der Ausbildung: die Schulen müssten strukturierter sein, um fähig zu sein mit einem solchen schulischen Niveau und einem darauf folgenden Studientitel auszustatten, dass den Erwartungen der Familien Genüge getan wird, und sie müssten viel mehr mit der Arbeitswelt verknüpft sein. Die Ausbildung betrifft aber nicht nur die Jungen, sondern auch die Profis selbst, die ebenso mit einer beständigen Fortbildung unterstützt werden müssten, geeignet um die handwerklichen Werkstätten auf die Vervollständigung des Bildungsweges der Studenten vorzubereiten. Zweitens halte ich die Vereinfachung einen Betrieb zu eröffnen für die Werkstätten mit hohem handwerklichen und künstlerischen Inhalt für wesentlich.
Als Letztes, aber sicher nicht von der Wichtigkeit, müssen wir am Aufstieg des “Made in Italy” auf internationalem Niveau arbeiten, was tatsächlich die einzig wahre Marke ist, auf die man setzen sollte, der große “Schirm“, unter dem jeder sein eigenes Spiel spielen kann. Wir müssen den Regionalismus überwinden, die tausend Konsortien, Gruppierungen und Verbände (jeder mit seiner eigenen Marke, und alle völlig unbekannt), und eine große globale Kampagne zum Leben erwecken, beständig, von zeitlosen Zeugen unterstützt, von Leonardo Da Vinci bis Giorgio Armani, von Pavarotti bis Gualtiero Marchesi, von Roberto Benigni bis Federico Fellini, von Guccio Gucci bis Sophia Loren, um dann zu den großen Werken überzugehen, Bauwerke, Design, und vieles mehr. Eine Vermittlung der großen künstlerischen und kulturellen Inhalte, quer durch alle Sektoren, und fähig alle Investitionen zu vereinen, für eine Kampagne die wirklich in Erinnerung bleibt.

Dieses Jahr wird Nanis dreißig Jahre alt: wie hat sich die Goldschmiedekunst in diesen drei Jahrzehnten entwickelt?

Es haben sich zwei Tendenzen und zwei Gedankengänge gekreuzt, der erste bezüglich einer quantitativen Produktion, unterstützt durch große technologische Neuerungen, der zweite bezüglich einem Schmuck mit ausgesuchtem Design, der sich an hauptsächlich internationale Marktnischen wandte. Mit der Krise im Jahr 2001 und dann 2008 haben sich die bereits stattfindenden Tendenzen beschleunigt, weshalb die Reduzierung der großen Serien auf der einen Seite und die Abwandlung der hochgestellten Goldschmiedekunst zu einer eher “demokratischen” auf der anderen dazu führten dass sich die beiden Tendenzen begegnen konnten um einen neuen großen Bereich zu definieren, in dem die neue Technologie Gestalt annahm, geeignet für bescheidenere Mengen, sogar für Einzelstücke, wodurch der technische Inhalt der limitierten Serien erhöht und das Design aufgewertet wurde, welches die Grenzlatte der damit einhergehenden technischen Grenzen herabgesetzt sah.

Erzähl uns von dem „handgemachten Schmuck" von Nanis: was macht ihn einzigartig?

Unser handgemachter Schmuck ist eben das Ergebnis dieses Prozesses der technischen Innovation, mit dem Erhalt dessen was die Geschichte und die Tradition uns vererbt hat. Die Forschung lag Nanis zudem immer am Herzen. In unserem handgefertigten Schmuck finden wir alle oder zumindest viele der verfügbaren Techniken miteinander vereint, wodurch wir einzigartige Effekte und Charakteristiken erhalten. Ein so konzipierter Schmuck könnte nur schwerlich nicht Made In Italy sein.

Viele sagen diese Pandemie wird uns verändern: warum werden wir nach dieser Krise noch Lust haben, Schmuck zu kaufen?

Tatsächlich werden wir einfach keine Lust haben zu kaufen. Wir werden konsterniert sein, frustriert, desorientiert, abgekämpft, wirtschaftlich geschwächt. Wir werden dazu aufgerufen sein eine neue Ordnung der Bezugswerte zu rekonstruieren, welche Prioritäten und quantitative Gewichte haben werden. Es wird Zeit brauchen, und wir werden durch die Suche nach Bezugspunkten beeinflusst sein, die uns Halt geben können, daher werden wir ein wiedergewonnenes Feingefühl für das Konzept der Gemeinschaft haben, eine Abneigung gegen das Konzept der Globalisierung, auf der Suche nach einer menschlicheren Dimension. Die Geschwindigkeit, mit der wir in dieser neuen Dimension gelandet sind, hat uns aufgeschürfte Knie hinterlassen: wir werden wieder aufstehen, aber diese Erinnerung wird uns noch lange begleiten. Wir werden nicht mehr die Lust haben, Schmuck zu kaufen, sondern das Bedürfnis. “Die SCHÖNHEIT wird die Welt retten”: da bin ich sicher, und der Schmuck ist ein Anker, ein Symbol, ein Begleiter der einen nie betrügt, der dir fehlt, wenn er nicht bei Dir ist, er ist eine Erinnerung oder DIE Erinnerung, ein Symbol, eine Emotion die zu Frieden wird, und die wieder eine Emotion für Dich oder andere wird. All dies müssen wir in unsere Kreativität miteinbeziehen.

 

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